Postkartengrüsse von einem Sommeraufenthalt an der Samlandküste und auf der Kurischen Nehrung aus dem Jahr 1933

Kranz, den 2.8.1933

Von Königsberg fuhren wir nach Rauschen, wohnten im Kurhotel und verlebten einen netten Nachmittag mit Bekannten, die dort für 4 Wochen mit ihren Kindern zur Sommerfrische sind. Rauschen hat eine schöne bewaldete Steilküste, man hat einen herrlichen Weitblick aufs Meer. Leider ist der schmale Strand durch den herab rinnenden Waldsand recht schmutzig.

Kranz ist ein größerer Badeort, eben wie Zinnowitz, aber sehr hübsch mit großer Kurpromenade, weißem, aber sehr schmalem und dicht bevölkertem Strand. Kranz hat hübsche Badeanstalten und ein Damenbad mit Büschen und Bäumen. Das Baden im Meer ist ein ganz besonderer Genuß, da wir immer starke Dünung haben. Um die Ostsee nicht so schnell wieder verlassen zu müssen, wollen wir 3 Tage hier bleiben.

Gestern am 2. Tag machten wir nun einen Ausflug auf die Kurische Nehrung. Ich glaube, dass das vielleicht der Höhepunkt der Reise war. Bis jetzt an Natur das Schönste, was wir sahen. Ich bin noch ganz gefangen von der Landschaft, von Meer und Weite und Sand. Man kann sein Herz verlieren an diese Landschaft, und immer Sehnsucht danach haben. Man steht auf hoher Düne in Sonne und Wind, schaut nach der einen Seite aufs Haff, auf der anderen Seite des schmalen Landstreifens glitzert das grüne Meer. Ich muß unbedingt mit Werner eine Fußwanderung dort machen.. Wir waren auch in der Vogelwarte in Rossitten, die mein Interesse für die Vogelwelt stark weckte und hatten Glück, den alten Prof. Thienemann zu sehen. Nachmittags gings zur 2ten Vogelwarte Rossittens, zu den Segelfliegern. Zu schnell gings wieder heim. Ich sah vom Schiff, wie die Sonne hinter Wald und Düne hinter dem Land, das für Jugend- und Natursehnsucht geschaffen ist, versank.

 

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