Radtour 2011 – von Nida um das Kurische Haff

BALTICTRAVEL – Fahrradfahrt im Mai 2011: Kurische Nehrung – Samland – Bernsteinküste – Königsberg/Kaliningrad – Elchniederung – Memelland

 

Eindrücke

HEUTE

DAMALS

 

 

22.Mai 2011 – 1. Tag

Wie in jedem Jahr trafen sich die Teilnehmer in Nidden/Nida im Gästehaus „Aika“ von Baltic Travel. Es waren 7 Radfahrer, gut gerüstet und voller Erwartungen.

Um 9:00 Uhr Abfahrt bei klarer Luft und Sonnenschein, Sonntagswetter. Am Grenzübergang empfängt uns eine gut gebaute nette russische Zollbeamtin. Sie hilft uns sogar beim Ausfüllen der Zollformalitäten – freundlich, freundlich. Am Grenzübergang ist das Fotografieren verboten. Schade, wir hätten die Russin gerne auf einem Foto mitgenommen. Bei Pillkoppen/Morskoje gehen wir an den Haffstrand und bekommen einen Eindruck von der Wunderwelt der Kurischen Nehrung. Im Süden die Epha-Düne, einfach nur schön. Die ersten warmen Tage werden am Strand verbracht. Feinster Sand.

In Cranz/Selenogradsk verabschiedet sich der Sonntag stimmungsvoll. Der erste Tag unserer Fahrradfahrt machte uns neugierig.

                  

 

23.Mai 2011 - 2. Tag

Für die Weiterfahrt nach Palmnicken/Jantarnyj versorgen wir uns wie üblich mit Proviant im Supermarkt. Der Gegenwind machte es uns nicht leicht an diesem Montag. Die Schaumkronen auf der Ostsee zeigten uns Windstärke 4-5 an.

Bei Neukuhren/Pionerskij ein wohlverdienter Stop. Malerisch ragt die Rantauer Spitze im Norden weit in die See. Kurz vor Rauschen/Selenogradsk das Dörfchen Sassau. Hier war die Zeit stehengeblieben. Nur ein paar 100 Meter entfernt, der Gegensatz - Rauschen. Dieser mondäne Badeort kennt viele Reiche. Das Cafe hat Stil - Jugendstil. Der Kaffee und die Prager Torte vom Feinsten. Und dann Mike's Geburtshaus, das Krankenhaus im benachbarten Georgenswalde/Otradnoje. Es war der Grund, warum er diese Tour mit seiner Frau mitgefahren ist. Sie haben es nicht bereut, wie man sieht.

Plötzlich öffnete sich unter uns wieder die Ostsee mit dem hellen Sandstrand. Unten links das neue Holocaust-Denkmal und die ehemalige Bernsteingrube „Anna". Auf der Aussichtsplatform ein russisches Fotoshooting. Die beiden kennen Sie schon. Ansonsten bestimmt der Bernstein diesen Ort.

                  

 

24.Mai 2011 –3. Tag

Und radeln weiter nach Fischhausen/Primorsk durch eine stille, fast unberührte Landschaft . Immer noch Gegenwind. Viel hat der Krieg und die Sowjetherrschaft in dieser Region nicht stehen gelassen. Wo war das einstige Stadtzentrum von Fischhausen? Es gab es nicht mehr. Dann ist so ein kleines altes Bushaltestellenhäuschen ein hübsches Motiv für ein Erinnerungsfoto. Die neue Haltestelle aus Beton gegenüber weniger.

Doch dann die Begegnung mit der neuen Zeit: Kaliningrad/Königsberg. Es ist „Rush Hour“. Das weitläufige Hafengelände, die Börse, das Haus der Sowjets, der wieder aufgebaute Dom mit dem Immanuel Kant-Grabmal, das neue Fischdorf, die Universität, der Platz des Sieges, das Roßgärter Tor, alles mit dem Fahhrad. Wie rücksichtsvoll und freundlich die Kaliningrader Autofahrer gegenüber uns wohl einzigen Fahrradfahrern in der Stadt an diesem Tag.

Es konnten nur Deutsche sein und so grüßten sie freundlich mit „Guten Tag“ aus den geöffneten Autofenstern. Unsrer Fahrradängste waren unbegründet. Die Stadt überraschte positiv.

                  

 

25.Mai 2011 –4. Tag

Sehenswert am Oberteich die neu gestalteten Parkanlagen mit Promenade und die feinen Villen.

Es war schon immer das vornehme Viertel der Stadt am Pregel, die wir jetzt ostwärts verlassen, immer am Fluss entlang. Kapkeim/Wischnewoje – Knast und Kirche, grau und bunt. Neubarockes Gutsanwesen mit Weberei, damals. Das Geburtshaus von Lovis Corinth in Tapiau/Gwardeisk. Meine Güte! Hier verbrachte der Maler seine Kindheit. Die Eltern waren wohlhabend und angesehen.

Übrigens, auch der Maler Ernst Mollenhauer wurde in Tapiau geboren. Die Kirche im wenig zerstörten Zentrum am Marktplatz, ein Schmuckstück. Heute russisch-orthodox. Nicht weit das „Cafe Preussen“, hier speist man fürstlich und dazu Kwass, ein typisch russisches Getränk – alkoholfrei! Entlang der Deime nach Labiau/Polessk, weite blühende Wiesen, schattige Alleen, tiefe Mischwälder, alles, was die Natur zu bieten hat.

In Labiau ein Palast aus 1001 Nacht, das Hotel „Oriental“, Fayancen, bemalte Decken, schmiedeeiserne Lüster. Der Orient lässt grüßen.

                  

 

26.Mai 2011 –5. Tag

Orientalischer Vorabend, über die Kultur im Ostseeraum und die Kant’sche Philosophie diskutiert. 9:00 Uhr weiter am Friedrichsgraben der Memel entgegen.

Abgeschiedene Idylle, lila blühender Flieder, para-uniformierte Angler. Keine Elche, dafür Störche und Reiher. Elchwerder/Golowkino – Gilge/Motrosovo – Seckenburg/Zapowednoje mit einem Segelboot. Wie? Räder aufs Deck, Gepäck unter Deck, Mannschaft ins Heck, so einfach. Nicht so einfach die Organisation der Übernachtung und des Abendessens im Forsthaus Pait.

Doch vorher noch Inse/Pritschali angefahren, aus Lust und Neugier. Hier das „Ende der Welt“ gesehen. Zurück im Forsthaus. Dank russischer Improvisationskunst und einer in der Tat-kräftigen Hausdame alles letztendlich geregelt.

So endet der Tag vergnügt und freundschaftlich. Das ist Russland, anders als zu Kaisers Zeiten.

                  

 

27.Mai 2011 –6. Tag

Der Himmel vollkommen zugezogen, aber es ist warm. Der erste Regentag kündigt sich an. Die Strecke führt über Neukirch/Timerjazewo, Heinrichswalde/Slavsk durch viele kleine Ortschaften, vorbei an unendlich wachsendem Wiesenschaumkraut.

Es ist großartig, alles satt grün. Gänse, Hühner, Truthähne, Pferde mit Fohlen, Kühe – auch auf der Straße – und vor allem Hunde, die mit Gekläff uns Fahrradfahrern hinterherjagen. Das schönste aber ist mit ihrem Gesang die mitreisende Vogelwelt. In Heinrichswalde Essen in einer Betriebskantine aus sowjetischer Zeit. Goldene Tischdecken. Am offenen Buffet eine große Auswahl an Gerichten, auch Schweinsohrsülze. Es schmeckt und alles für umgerechnet für 2-3 Euro pro Essen mit Getränk.

Da kann man nicht meckern. Der Tilsiter Käse soll in einer der Molkereien um Heinrichswalde zuerst erzeugt worden sein. Tilsit/Sovjetsk, die Einfahrtsstraße ist in einem furchtbar schlechten Zustand . Radfahrer haben es besonders schwer, das Zentrum heil zu erreichen. Besser, viel besser auf der Hauptstraße die jungen Russinnen, blond, stolz, high heels-short dress. Diese Straße muss einmal ein Prachtboulevard gewesen sein. Noch zu erahnen anspruchsvoller Jugendstil aus Kaisers Zeiten. Sonst beherrscht stalinistischer Wohnungsbau das Straßenbild.

Beim Abendessen im Hotel schaut Leonid Breschnew mit brennender Zigarette auf sein russisches Volk und uns Deutsche.

                  

 

28.Mai 2011 –7. Tag

Letzte Einkäufe – Zigaretten und Wodka – bevor die Luisenbrücke über die Memel passiert wird, wo 1807 auf einem Pontonder Friede zu Tilsit geschlossen worden war.

Heute EU-Außengrenze. Auf dem Weg nach Heydekrug/Silute musste noch das Dorf Kawohlen/Kawolai gesucht und angefahren werden, der Geburtsort des Vaters von Rolf, dem Ältesten aus unserer Gruppe. Der ehemalige Hof seiner Familie war nicht mehr auszumachen. Ein Foto von der Schule als Erinnerung und ein Schnitter mit fröhlichen Kindern aus dem sonst verträumten Dorf. In Heydekrug feierte man das 500jährige Jubiläum der Stadt mit einem großen Volksfest.

Die gesamte Bevölkerung des Memellandes schien in der Stadt zu sein. Die letzten Kilometer im Mündungsdelta der Memel führten uns nach Ruß/Rusne. In der reizvollen Ortschaft gehen die Blicke wieder zurück in die Elchniederung auf der gegenüberliegenden Seite des Stromes Atmata, der an dieser Stelle die Grenze zum Kaliningrader Gebiet bildet. Nachmittags fährt die Gruppe mit dem Boot von Kuvertshof/Uostavaris übers windige Haff. Der allerletzte Abschnitt der 7tägigen Fahrradfahrt. Vorbei am Windenburger Eck.

Früher eine äußerst gefährliche Stelle für die Fischer in ihren schweren Kurenkähnen. Schlusspunkt dann wieder Nida/Nidden, der über 450 km langen Tour. Unsere Gruppe war zusammengewachsen, hatte viel Spaß und war am Ende stolz und glücklich über diese Leistung. Auf Wiedersehen.

                  

 

ZEITREISE in das nördliche ehemalige Ostpreußen

Eine Fahrradfahrt vom 07.08.-13.08.2011

Wie in jedem Jahr traf sich eine Gruppe sportlicher Radfahrer aus allen Teilen Deutschlands, die meisten aus Braunschweig, im Haus „Aika“ in Nida/Nidden um an der von Baltictravel organisierten Fahrt teilzunehmen. Nach dem Begrüßungsessen am Vorabend in Nida, es gab natürlich Zeppelinas, suchte sich jeder von den bereitgestellten Rädern ein passendes Mountain-Bike aus und reduzierte sein Gepäck auf Fahrradtaschengröße.

07.08.2011 – Tagesstrecke 60 km, Fahrzeit 4 Std.
Am Morgen des 07. August eine letzte Besprechung der bevorstehenden anspruchsvollen Tour im Gästehaus „Aika“ und schon verabschiedete „Irmchen“, die gute Seele des Hauses, die 15 Radfahrer mit den besten Wünschen.

In gut einer Stunde war die litauisch-russische Grenze passiert und gleich dahinter erwartete die Gruppe unser russischer Begleiter Vadim mit seinem schon in die Tage gekommenen Rennrad. Nach vielen Pausen, Dünenfriedhof in Pillkoppen, Epha-Düne, „ tanzender Wald“ erreichte die Gruppe den wunderschönen Hotelkomplex „Traktir U Dorogie“ in Rossitten. Die Außenanlage erinnerte an einen alten James Bond-Film: Hubschrauberlandeplatz, vornehme Pavillons, livrierte Bedienstete und mit etwas Phantasie sah man Ursula Andress aus den Fluten steigen.
Bei strömendem Regen, völlig durchnässt und mit Sand bespritzt kamen alle im Hotel in Cranz an. Ein Vollbad und später der Wodka erwärmten uns kräftig und die gute Stimmung war wieder zurück.

08.08.2011 – Tagesstrecke 57 km, Fahrzeit 3:45 Std.
Sonnenschein und starker warmer Wind erleichterten die Abfahrt zunächst in Richtung Kaliningrad. Nach Wosegau bogen wir ins Samland ab, Richtung Pobethen. Unsere Berg- und Talfahrt führte uns durch kleine Dörfer und schattige Alleen nach Neukuhren, wo wir am Ortseingang an einer langen, hohen kameragesicherten Schutzmauer entlang fuhren, hinter der sich das neue Gästehaus der Moskauer Regierung verbarg.
Die vielen Eindrücke, jetzt schon auf dem Weg nach Rauschen, führten dazu, dass die Konzentration nachließ und das Fahren „in der Spur“ vernachlässigt wurde. Schnell geht man verloren. In Rauschen konnten die Versprengten schließlich wieder eingesammelt werden. Gemeinsam sammelten wir Fahrer wieder neue Kräfte bei Kaffee und Kuchen im netten Jugendstilcafe „Wika“ direkt neben dem Wasserturm, dem bekannten Wahrzeichen von Rauschen aus der Jugendstilzeit. Wir flanierten auf der wunderschönen Promenade bei hochsommerlichen Temperaturen auf und ab und schossen ein paar Erinnerungsfotos. Die gute Stimmung war wieder da. Ein nachmittäglicher Regenguss mit Hagel unterbrach unsere Weiterfahrt nur kurz. Doch nach dem Unwetter waren die Straßen mit riesigen Pfützen und herabgefallenen Ästen übersät. Die Wiesen und Moore lebten auf. Wir durchfuhren eine einzigartige Naturlandschaft.
Bei unserer Ankunft in Palmnicken machten wir Halt am neuen Holocaust-Denkmal, das uns an die schmerzhaften Verbrechen der Vergangenheit erinnerte. Im abendlichen Sonnenschein blieb vor dem Abendessen noch Zeit für ein Bad im Meer.

09.08.2011 – Tagesstrecke 62 km, Fahrzeit 4 Std.
Bei weiterhin sehr starkem Rückenwind brachen wir früh in Richtung Kaliningrad auf. Von der industriellen Bernsteingewinnung im Palmnickener Küstenbereich war auf unserer Fahrt nichts zu sehen. Dafür säumte Wegwarte, Schafgarbe, Wiesenschaumkraut, Rainfarm und Blutweiderich unsere Strecke. In den Dörfern war die Zeit stehengeblieben und doch war jetzt eine gewisse Aufbruchstimmung zu spüren.
Je mehr wir uns Kaliningrad näherten, desto stärker wurde der Autoverkehr. Wir wählten die Straßen durch das Hafengebiet in das Stadtzentrum, um so dem mächtigen Großstadtverkehr zu entgehen. Wohlbehalten erreichten wir Radfahrer die Dominsel , das neu entstandene Fischdorf und die Universität mit den Denkmälern von Herzog Albrecht und Emanuel Kant, sowie das wie durch ein Wunder im Krieg unversehrt gebliebene Grabmal des größten Philosophen.
An der Bar des „Tourist“-Hotels endete ein langer Tag, der von Gegensätzen geprägt war.

10.08.2011 – Tagesstrecke: unterschiedliche Kilometer zu Fuß und mit dem Bus
Dieser Tag diente der Besichtigung von Kaliningrad, der alten Stadtmauer mit seinen restaurierten Toren, dem neu gestalteten Platz des Sieges, dem Schiller-Denkmal und den Markthallen mit allen Köstlichkeiten des russischen Landes. Wir besuchten ein Domkonzert, gespielt an der Schuke-Orgel aus Potsdam, die Präsident Putin in Feierlaune spendierte. Bachs Toccaten erklangen meisterhaft gespielt vom jungen Domorganisten Artjom Chatschaturow. Anschließend fuhren wir mit dem Bus zum Deutsch-Russischen Haus, wo der Leiter Andrej Portnjagin auf die Gruppe wartete. Stolz berichtete er über die Aufgaben und Aktivitäten des Hauses und über die guten Beziehungen zu verschiedenen Kultureinrichtungen. Sehr beindruckt waren wir von der reich bestückten Bibliothek. Dieses Haus ist ein wichtiger Brückenpfeiler zwischen Ost und West.

11.08.2011 – Tagesstrecke 91 km, Fahrzeit 4:25 Std.
Wie geplant und abgesprochen brach die Gruppe geteilt auf bei nur 12°C und regnerischem und windigem Wetter. Einige Teilnehmer fuhren mit dem Bus nach Tapiau. Durch die Pregelniederung fahrend erreichten die Radfahrer in zügiger Fahrt und ohne Halt schnell Kapkeim. An der Bahnlinie gelegen leuchtete das ehemalige Schloss vor dunklen Wolken herüber. Allerdings wurde der Glanz durch Mauern und Stacheldraht getrübt. Das Schloss ist heute Teil eines Gefängniskomplexes, in dem sich auch eine orthodoxe Kirche befindet. Schnell war danach Tapiau zwischen Pregel und Deime erreicht. Und auch hier: die ehemalige schlossartige Ordensburg war von noch höheren Mauern und noch mehr Stacheldraht umgeben und es war unschwer zu erkennen, dass die ganze Anlage heute ein stark bewachtes Gefängnis beherbergt. Vor dem Gefängniseingang sahen wir wartend eine schwangere junge Frau in Weiß, umgeben von Verwandten, wahrscheinlich ihr Hochzeitstag. Der Beginn eines werdenden, gemeinsamen Lebens.

Das hellblaue Geburtshaus des Malers Lovis Corinth machte, ganz im Gegensatz zu der in leuchtendorange strahlenden Kirche, einen traurigen Eindruck. Der ausgemachte Treffpunkt mit den Busfahrern war das Cafe „Prussia“. Dort berichtete die Busgruppe noch ganz geschockt von dem Beinahverschwinden unserer jüngsten Fahrerin in einem Gully. Der Deckel war locker und beim Drauftreten hebelte er sie praktisch in den Schacht. Nur die darin verlegten Leitungen, auf denen sie zum Stehen kam, bewahrten sie vor dem Verschwinden im Gully. Zum Glück kam sie mit dem Schrecken und äußerlichen Blessuren davon. Angerührt berichtete die Gruppe von der Entschuldigung einer alten russischen Dame wegen des Unfalls.

An der Deime entlang, fuhren wir an diesem erlebnisreichen Tag weiter nach Labiau. Da nicht alle im „Orientpalast“ bei Juri dort untergebracht werden konnten, übernachteten einige, was lange vorbereitet worden war, in Gilge bei Leni Ehrlich, der Chefin des Dorfes.

12.08.2011 – Tagesstrecke 95 km, Fahrzeit 6:20 Std.
Von Elchwerder am Wasserkreuz wurde zuerst die Gilge-Gruppe von Juri mit dem Boot nach Seckenburg gebracht und anschließend die Tapiau-Gruppe. Freundlich winkende Menschen am Friedrichgraben, verfallene Gutshöfe, hier und da auch alte Ziegeleien und bunte Gärten säumten die Strecke. Vom Wasser sahen wir Störche, Kormorane, Reiher und einen Fischadler. Viele Dörfer und Güter in der ohnehin dünn besiedelten Elchniedrung existieren leider nicht mehr. Kurz vor dem Forsthaus Pait waren beide Gruppen wieder vereint. Ein Teil der Gruppe stärkte sich noch bei Kaffee und Gebäck im Forsthaus, die anderen machten sich schon auf den Weg nach Tilsit. Leider blieb nicht genügend Zeit „das Ende der Welt“ bei Inse und auch später Heinrichswalde anzufahren. Bei Sköpen kam uns eine weit versprengte Gruppe Radfahrer entgegen, die es gegen den Wind schwer hatte, im Gegensatz zu uns. Die Anfahrt nach Tilsit stellte an uns Radfahrer hohe Anforderungen, da die Ausfallsträße neu gebaut wurde. Das teilweise noch alte Kopfsteinpflaster hatte viele großen Löcher und auch die Fußwege waren kaum befahrbar. Am „Rossija“ Hotel sahen wir den ersten Elch, unweit dem Lenin-Denkmal. Leider war er nicht lebendig, sondern ein übergroßes Bronzestandbild.

Ein Spaziergang an die Memel bei untergehender Abendsonne führte uns zur Louisenbrücke, wo einer von uns einen höchst aufschlussreichen Vortrag zum Tilsiter Frieden und seinen historischen Konsequenzen hielt. In einer russischen Bar mit Kinderspielecke! neigte sich auch dieser lange Tag mit Borschtsch und Wodka dem Ende.

13.08.2011 – Tagesstrecke 69 km, Fahrzeit 3:40 Std.
Nach einer Stunde hatten wir auch diese Grenze über die Memel auf der Louisenbrücke passiert und schnell kamen wir auf guter Straße unserem Zwischenziel Heydekrug näher, wieder unterstützte uns der jetzt aus Osten wehende Rückenwind, welch ein seltenes Glück. Die Menschen winkten, die Autofahrer hupten und die Störche störten sich nicht an uns Fahrradfahrern.

In Heydekrug bestellten wir baltische Spezialitäten u.a. geräucherte Schweinsohren mit Meerrettichsahne und begaben uns auf den letzten Teil unserer langen Fahrradtour nach Rusne. Durch weite Wiesen erreichten wir Rusne im Memeldelta bei herrlichem Wetter. In einem Hinterhof am Ortseingang entdeckten wir 20-30 Störche, die sich schon für den Rückflug nach Afrika sammelten. Wir trauten unseren Augen nicht, es sah aus wie auf einem Gänsehof. Am Rußstrom blickten wir hinüber in den russischen Teil dieses wasserreichen Memeldeltas und waren stolz, dieses Delta und den Oblast per Rad gesehen zu haben. Auf dem Deich entlang war es nur noch ein Wimpernschlag bis Kuverts Hof, wo unser Boot wartete, um uns zurück nach Nida zu bringen.
Im Garten von Haus „Aika“ trafen sich alle noch einmal zu einem Abschiedsessen mit frisch geräuchertem Zander, Barsch, Scholle und wohlschmeckendem litauischem Brot und natürlich dem obligaten Abschieds-Wodka .

Gesamtleistung: 434 km, Gesamtfahrzeit 26:10 Std.
Diese Leistung war nur möglich dank der guten Vorbereitungen und unseres eingespielten und innovativen technischen Begleitteams .

 

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